tag des mauerfalls
“so, komm..und jetzt zieh deinen schlüpper aus!”
“ich kann nicht…”
“warum?”
“ich schäme mich”
einen kurzen augenblick lang höre ich auf zu fotografieren um nachzudenken. schämen? kenn ich von irgendwoher. was war´n das nochmal?
ich stehe in einer lokalen rent-a-pussy agentur, die ihre neuen mitarbeiterinnen der breiten, männlichen öffentlichkeit vorstellen möchte. man hat mich gebucht, um die werbelichtbilder dafür zu erstellen. besonders wichtig, so die agenturleiterin beim briefing vorab, eine radikale interpretation von fsk16, damit der sonderservice rund um die rosette deutlich zur geltung kommt. obwohl alle anwesenden im raum genickt haben, zieht eine von ihnen jetzt, wo es drauf ankommt, ihre zustimmung zurück.
heute ist der zwanzigste jahrestag des falls der berliner mauer. es kam dazu, weil das volk, das in einem land lebte, dessen grenzen komplett vermauert waren, keinen bock mehr darauf hatte, sich von der regierenden kaste der arschlöcher vorschriften machen zu lassen. so ein glück, dass ich darauf komme, und dass mir inzwischen eingefallen ist, was man unter schämen versteht, denn daraus kann ich blitzschnell folgern: wir sind ebenfalls umgeben von mauern. da ich führe, muss sie das volk sein, und ich das arschloch. also darf ich kein arschloch mehr sein, damit ich vom volk bekomme, was ich will - und was ich will, ist, dass das volk sich endlich auszieht und bückt.
“bin ich ein arschloch?”
“nein. leider nicht. wenn du eines wärst, hätte ich keine probleme damit. so´n arschloch bekommt von mir w a s e s w i l l ! ! !”
“also sind arschlöcher was gutes?”
“für mich schon…darauf bin ich spezialisiert”
denkmodell gescheitert. ich möchte wissen, woran es liegt. ich möchte ein guter sein.
“gibt es unterschiede zwischen arschlöchern? hast du da irgendeine präferenz?”
“nein. ich komme mit jedem arschloch zurecht. mit meinem, mit deinem, mit allen”
multitasking is a road, that leads to nowhere. fotografieren oder nachdenken? fotografieren. aber vorher noch ein einziges mal nachdenken.
“zieh endlich den verfickten scheiss schlüpper aus! wird´s bald?!”
“viel besser…na also…geht doch…hier bitte…behalt ihn als andenken an mich…”
volk und führer bringen gemeinsam die mauer zum fall. kannte ich bisher nicht. freue mich über ein souvenir. endlich hab ich auch ein stück mauer.